Aus “Stöckchen” wurde “Fragen”
Früher, vor meiner großen Blogpause wurde man immer wieder mal mit einem sogenannten Stöckchen beworfen. Es ging darum, dass ein Blogger einem anderen eine Frage zugeworfen hat, diese wurde dann im eigenen Blog beantwortet und wiederum an andere Blogger weitergereicht.
Eigentlich dachte ich, das wäre Vergangenheit, aber wie ich beim guten Ad nachlesen konnte, erleben Stöckchen eine Renaissance und nennen sich inzwischen “Fünf Fragen”. Und so hatte mein alter Online-Spezl Happy Buddha nichts besseres zu tun, als mich mit diesem 5 Fragen-Stöckchen zu bedenken.
Jürgen aka Happy Buddha möchte von mir wissen:
- Seit wann bin ich im Internet unterwegs, und wie waren die ersten Schritte?
Das “seit wann” kann ich mit Herbst 1998 präzisieren. Als paar Jahre einige Freunde und Kollegen sich für viel Geld durch ein extrem langsames Netz quälten, dachte ich nicht im Traum daran, auf diesen Zug aufzuspringen. Nachdem ich dann aber gesehen hatte, wie moderat aktuellste Treiber aus dem Netz auf dem heimischen Rechner landen und wie komfortabel Mails sind, habe ich dann nur noch drauf gewartet, bis die Minutenpreise für “Internet by Call” etwas runter gingen. Dann musste ich mir nur noch ein 56k-Modem besorgen und schon war ich drin.
Angefangen habe ich mit der Suite von AOL, aber nicht allzulange, dann wollte ich über den Tellerrand von AOL hinaus und auch die Preise anderer Anbieter waren günstiger.
Da begannen dann auch meine ersten Gehversuche in Richtung Webseite. Damals war für mich weniger der Inhalt wichtig, mir ging es vorrangig darum, eine funktionierende Seite erschaffen zu können. Und die war, der damaligen Zeit entsprechend, übervoll mit blinkenden, glitzernden Buttons und ähnlichem Zierrat, der heutzutage abgeneigtes Kopfschütteln erzeugt.
Dem folgte später eine Seite über Deskmodding, die ich mit Netobjects Fusion zusammengestrickt hatte. Großartig ereignet hat sich aber nichts in den ersten Jahren, da damals Dinge wie ein Download einer 10 Megabyte großen Datei zum nervenzehrenden Abenteuer wurden. Vor allem, wenn beim Downloadstand von 98% die Modemverbindung versagte. Erschwerend kam dazu, dass bei allen Internetaktionen immer im Hinterkopf der Gebührenzähler getickt hat.
Richtig interessant wurde das Netz erst, als bei uns endlich DSL verfügbar war. Zwar nur mit 768 kb/s aber immerhin, im Vergleich zu früher sensationell schnell, sensationell günstig und sensationell stabil.
So habe ich dann 2004, als ich auf Mac gewechselt habe, auch eine neue Seite mit Rapidweaver erstellt. Anfangs statisch, später wurde dann eine Blogfunktion integriert. Die Blogfunktion von RapidWeaver war jedoch nicht Fisch und nicht Fleisch und so entschloß ich mich im April 2008 auf WordPress zu wechseln wo ich heute, nach längerer Pause, vertreten bin.
Und so komme ich zur Antwort auf Frage Zwei:
- Was bedeuten für mich Soziale Netzwerke
Nun – da ich altersmäßig schon in einer älteren Liga spiele, sind mir natürlich Netzwerke wie Schüler-VZ und ähnliches völlig fremd. Zu Twitter bin ich auch relativ spät gekommen, allerdings sind das inzwischen auch schon wieder gut drei Jahre und Twitter halte ich für mich persönlich als unverzichtbar, da es für mich eine ideale Symbiose aus total aktuellen, relevanten Informationen gepaart mit amüsanten Überflüssigen darstellt.
Ansonsten bin ich persönlich in Sozialen Netzen nicht mehr engagiert. Bei den Lokalisten waren es zwei kurze Anläufe, bis ich zur Feststellung gelangt bin, die Lokalisten kommen sehr gut ohne mich zurecht und ich ohne die Lokalisten.
Facebook und Google+ werfe ich jetzt mal in einen Topf. Wobei ich bei Facebook dann doch eine Weile war und bei Google+ nur hineingeschnuppert habe. Aber auf meine Person bezogen gilt das gleiche wie oben: Ich kann gut ohne.
Zusammenfassend erachte ich Soziale Netzwerke durchaus sinnvoll und auch wichtig, man muss aber nicht auf jeder Hochzeit tanzen.
- Als Blogger gibt es so viele Themen die man aufs Tablett bringen kann, wo sind meine persönlichen Grenzen? Oder anders gefragt, was geht gar nicht?
Generell handelt es sich ja bei einem (Web)Blog um ein online gestelltes Tagebuch / Journal und da sollte jeder seine Gedanken frei entfalten können. Allerdings möchte ich eigentlich im Netz nichts lesen, was ich in den Printmedien auch nicht sehen möchte.
Was mich betrifft, so blogge ich zu Themen die mich aktuell interessieren und gebe sicherlich auch privates von mir preis. Allerdings gibts da eine ganz einfach Faustregel: Was ich meinem Nachbarn nebenan am Gartenzaun nicht erzählen würde, das geht auch die Netzgemeinde nichts an.
Klar erzähle ich auch was und warum ich etwas mache, aber was so im Netz, teils sogar von Prominenten an intimen Informationen veröffentlicht wird, da staune ich dann doch , wie stark ausgeprägt bei manchen der Netzexhibitionismus und der Drang zur Selbstdarstellung ist. Und da kommen wir schon zur Beantwortung der nächsten Frage
- Dank Wulff, Facebook und Google, wollen wir alle “Transparenz”. Wie siehst du das, wenn du im Mittelpunkt dabei stehst?
Ich sag mal so: Der Mensch als solcher ist schon seit vielen Jahren und nicht erst seit dem WorldWideWeb gläserner als manch einer glaubt. Das Internet und die heutigen technischen Möglichkeiten tragen natürlich dazu bei, dass die Transparenz in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Und die Vorstellung, dass Personalchefs vor der Einstellung eines Mitarbeiters erstmal im Netz seine Aktivitäten durchleuchten finde ich nicht gut, würde es als Personalchef vermutlich auch nicht anderes machen. Schätze, Herrn von Guttenberg all das nachzuweisen was zu seinem Rücktritt geführt hat, würde ohne Internet schwer nachzuweisen sein. Andereseits, ob es ihm möglich gewesen wäre, ohne Internet diese Doktorarbeit zu schreiben?
Wie auch immer, das Internt ist ein Instrument, das sich auf unterschiedlichste Weise nutzen lässt und für mich schon jeher ein Spiegel der realen Welt. Ich glaube, ich würde mich nicht wohlfühlen, wenn ich im Mittelpunkt stehen würde.
Auf zur letzen Frage:
Im Internet ist man nicht alleine, habt ihr schon andere Online real getroffen und wenn ja wie fühlt sich das an?
Ja, ich habe schon einige Personen, die ich vorher nur aus dem Netz kannte, privat kennengelernt. Aus einer Internetbekanntschaft hat sich eine Freundschaft entwickelt, die seit Jahren andauert, Mails folgten SMS, dann Telefonate und inzwischen trifft man sich paar mal im Jahr.
Zwei andere Bekanntschaften sind nach kürzerer Zeit wieder auseinandergegangen. Wobei aber in beiden Fällen nicht das persönliche Kennenlernen ursächlich war, sondern sich einfach die Lebensumstände entsprechend geändert hatten und die virtuelle Freundschaft auch nicht aufrechterhalten worden wäre.
Was ich aber in allen Fällen festgestellt habe, dass beim Aufeinandertreffen von Personen, die man vorher aus dem Netz kannte, schneller ein lockeres, entspanntes Gespräch aufkommt, als es sonst beim Zusammentreffen mit neuen Leuten der Fall ist.
So – das war es von meiner Seite. Und ich gebe meine fünf Frage mal weiter an
@Adrian @Andreas @Elchverleiher @ipfreaks und @Stefan
- Bots, Trojaner, Pishing, wie sicher fühlt ihr euch im Netz?
- Visionen – was glaubt ihr, wie sieht die Onlinewelt in paar Jahren aus, gibt es Soziale Netze in der heutigen Form noch?
- Tablet-PCs – Hype oder auf lange Sicht für den produktiven Einsatz zu umständlich
- Wie abhängig seid ihr vom Internet – geht es auch ohne?
- Was sind eure must-have-Seiten die ihr täglich im Netz ansurft
Freue mich auf eure Antworten und wenn ihr die fünf Fragen weiter gebt, dann informiert auch die Auserwählten bitte auch!

Interessante Antworten, und vor allem interessante Fragen die du weiter wirfst.
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So, das Stöckchen wurde angenommen, artig abgekaut und dann weitergereicht…
Hier nachzulesen: http://bit.ly/xa8m8Q
Hallo Uwe,
Danke erst mal für das Stöckchen. Wie man an meinen Antworten wahrscheinlich unschwer erkennen kann, ist der IT-Bereich nicht so wirklich mein zu Hause. Aber ich habe mir trotzdem alle Mühe gegeben.
Here it is: http://www.andreaswegermann.de/795/stockchen-von-eumel
Selbstverständlich gibt es am Ende auch ein paar neue Fragen für ein neues Stöckchen. Dieses werfe ich aber bewusst niemandem speziell zu, sondern gebe es einfach mal in die Runde. Wer mag, darf es sich mitnehmen.
Grüße, Andreas